Frieden ist (k)eine Kunst

Städtepartnerschaften wirken zunächst angenehm vernünftig. Man unterschreibt Verträge, schüttelt Hände, spricht über Austausch. Wenn eine der beteiligten Städte im Krieg liegt, bekommt das eine zusätzliche bzw erst recht Bedeutung.

Bei der Unterzeichnung der Städtepartnerschaft zwischen Bamberg und Mukatschewo wurde ein Aquarell aus meiner Serie Bridge over Troubled Waterüberreicht. Es ist die erste Brücke dieser Serie.

Die Stadt Bamberg hatte dieses Bild bereits vor einiger Zeit erworben und es für einen ganz besonderen Anlass aufgehoben.

“Bridge over Troubled Water” No.1, April 2023 mit der Geschenkbandereole der Stadt Bamberg

Dass eine Arbeit aus meinem Brückenprojekt zum Symbol dieser neuen Städtepartnerschaft wird, empfinde ich als Geschenk. Bridge over Troubled Water ist kein dekoratives Vorhaben. Das Projekt folgt einer einfachen, beharrlichen Idee: Verbindung sichtbar zu machen.

Was als Liebeserklärung an die Bamberger Rathausbrücke begann, ist inzwischen ein internationales Brückenbauprojekt. 46 Brücken gibt es mittlerweile und es werden immer mehr, verteilt auf alle Kontinente. Kleine Aquarelle in privaten Räumen. Jede Brücke wird nummeriert und verortet, weil jede zählt.

Im beiläufigen Gespräch lässt sich das kaum fassen. „Brücke, Aquarelle, weltweit verteilt“ beschreibt das Äußere. Der Zusammenhang erschließt sich erst, wenn man ihn offenlegt.

Beim Stehempfang nach dem offiziellen Akt wurde ich der ukrainischen Delegation vorgestellt und gebeten, etwas zum Kunstwerk zu sagen. Es war sehr berührend, in diesem Kontext mein Motto: „Bridging the world with Art and Heart because what we share is stronger than what divides us“ auszusprechen und verstanden zu werden. Aus dem Gespräch heraus verabredeten wir noch am selben Abend künstlerischen Austausch und wechselseitige Ausstellungen.

Sollte Kunst nicht eigentlich ohne Erklärung auskommen? Der Gedanke malträtiert mich immer wieder, wenn ich so viel Texterei um meine Arbeit herum mache.

Und sollten Menschen nicht eigentlich im Frieden leben dürfen?

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