Familienbetrieb. Geständnisse einer Serientäterin.

Das neueste Werk aus der Familie “Der Blick fürs Wiesentliche”, Pusteblumen (noch ohne endgültigen Titel)Öl auf Leinwand, 40×50cm, gespachtelt aus Farbresten von einem noch unveröffentlichten Projekt aus “Genesis”

Jetzt habe ich also die ganze Zeit Serien produziert und plötzlich stört mich das Wort? Serie…Der Begriff klingt doch zunächst vernünftig. Nach Ordnung, nach Übersicht, nach einem sauberen kunsthistorischen Eintrag in die eigene Vita. Serie A, Serie B, nächste Serie abgeschlossen. Ein Werkblock, bitte weitergehen. Na und? Das ist doch super! Sehr erwachsenes und erfolgversprechendes höchst übliches Marketing im Art-Business!

Blöd nur: meine Bilder spielen da nicht mit. Sie tauchen wieder auf. Sie unterhalten sich miteinander, quatschen mir dazwischen. Sie greifen mir mit Motiven aus früheren Arbeiten ins Werk, als hätten sie ein Gedächtnis. Sie wechseln die Nachbarschaft. Manche bleiben lange, andere ziehen weiter. Einige gründen überraschend neue Zusammenhänge. In einem Satz: Sie benehmen sich wie eine Familie.

Der Serienbegriff dagegen tut so, als gäbe es klare Anfangs- und Endpunkte, als ließe sich ein Thema ordentlich abarbeiten und dann zu den Akten legen. Das entspricht weder meinem Arbeiten noch meiner Weltsicht: lineares Arbeiten liegt mir so wenig wie Schubladendenken (schaffe es ja nicht einmal, meine Socken ordentlich in welche zu sortieren).

Themen und Motive vernetzen sich in meiner Arbeit assoziativ und in mehreren Schichten. Fast immer bin ich an mehreren Bildern parallel zugange. Während mich zum Beispiel ein figürliches Motiv vollkommen in Beschlag nimmt mit allem, was an Konzentration, Entscheidung und innerer Beteiligung dazugehört, steht daneben eine weite Wasserfläche. Da kann ich mich hineinsinken lassen, mit den eigenen Pinselschwüngen davonschwimmen. Oder es entsteht eine regelrechte Spielwiese daneben, auf der ich mich in der Froschperspektive austoben kann um dann mit frischen Augen und unbedarftem Sinn wieder den Proportionen einer Heiligenfigur die nötige Präzision geben zu können. Kurz und gut, ich spreche jetzt von Werkfamilien. Ist das wieder so eine Wortklauberei? Ja, allerdings! Wir sollten sowieso viel mehr mit Worten spielen und in der Wortschatzkiste herum klauben!

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Frieden ist (k)eine Kunst