Alles wird gut

Journal 3

Julian of Norwich und der Beginn eines neuen Bilderzyklus

Ein einziger Satz, der mich trotz seiner Floskelhaftigkeit anspringt wie ein übermütiger Hund:

„All shall be well, and all shall be well, and all manner of thing shall be well.“

„Alles wird gut, und alles wird gut, und alle Dinge werden gut sein.“

(Oder sinngemäß freier: „Alles wird gut, und alles wird gut, und alle Dinge werden sich zum Guten wenden.“)

Julian of Norwich schrieb ihn vor über 600 Jahren – inmitten von Pest, Krieg und Verzweiflung. Ihre Worte sind kein seifig frömmelndes Trostpflaster. Sie spiegeln ihre eigene Erfahrung mit tödlicher Krankheit und unaussprechlichem menschlichem Versagen: Alles ist von Liebe umgeben. Auch das Schmerzhafte. Auch das Unverstandene.

Mitten in der aktuellen Apokalypsenparanoia, dem sich drohend über uns auftürmenden Machtkampfgewölk wirkt diese Denke wie ein Frühlingsregen auf mein Gemüt. Ein Regen, der glitzert, singt, Segen und entwaffnende Begeisterung gleichzeitig bringt. Es tauchen Bilder auf in einer drängenden Gier nach Leben wie das Gras, die Hopfenschösslinge  und das Buchenlaub, denen man zur Zeit viertelstündlich beim Wachsen zuschauen kann.

Ein neuer Bilderzyklus entsteht.

Julian, die 600 Jahre alte Seelenschwester mit dem irreführenden Namen begleitet mich dabei.

Und ich ahne: Alles wird gut.

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Morgenandacht - Kunst als Gegenüber

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