Es wird Zeit: zurück an alte Ufer
Bonjour Joigny! (Öl auf Leinwand, 60×100cm)
Vor dreißig Jahren habe ich in Joigny zur Palette gefunden. Zuvor hatte Joigny mich gefunden. Zufall kann es jedenfalls nicht gewesen sein, dass mich das Losverfahren bei der Vergabe der Stelle als Deutschassistentin in dieses entzückende nordburgundische Städtchen geschickt hat. Den Aquarellkasten und Pinselmappe hatte ich dabei. Mein Ankunftstag im September 1996 bleibt mir lebhaft vor Augen: mit dem Ford Fiesta zum ersten Mal im Spätsommer-abendlicht über die vielblbogige Brücke Pont Saint-Nicolas, die weite lichtgetränkte Yonne verknüpft mit dem spontanen Glücksgefühl: Hier bin ich richtig! Die zauberhafte Silhouette des Städtchens mit Schloss und den beiden Kirchen Saint Jean und Saint Thibault hat sich unauslöschlich in meinen inneren Bilderschatz eingegraben. Viele Aquarellstudien, Kohleskizzen sind entstanden, bevor ich mich von meiner Mitbewohnerin zu einer Schnuppersrtunde an der Ecole des Beaux Arts in Auxerre habe überreden lassen. Mit wunderbaren Lehrerinnen durfte ich dort an vielen Abenden die Aquarellmalerei vertiefen und die Ölmalerei entdecken, während ich tagsüber als Deutschlehrerin am College und am Lycée gearbeitet habe.
Leider habe ich aus der Zeit bis auf eine Handvoll Aquarelle nichts aufgehoben. Der Fiesta war mit Hausrat und Katzenkoffer so voll nach meinem Auslandsjahr, da mussten die Leinwände und ein großer Karton voller Bilder und Skizzen leider zurück bleiben. Joigny, Auxerre und Burgund sind allerdings in jedem meiner Bilder mit gemeint. Regelmäßige Besuche dort in allen Lebensphasen, liebe Freunde bis heute sorgen für eine heimatlich herzliche Verbindung. Bei jedem Besuch hüpft mir buchstäblich das Herz vor Freuden, wenn ich über diese Brücke fahre. Warum ich meine burgundische Herzensheimat seither nie mehr gemalt habe, kann ich gar nicht sagen. Ist auch egal, es ist jetzt dran und ich male es mit überfließendem Herzen und in den leuchtendsten Farben der Erinnerung. Es ist nie zu spät. Le Pont Saint-Nicolas über den beeindruckend dahinfließenden Himmelsspiegel der Yonne wird zu einer Brücke durch Raum und Zeit. Inzwischen bin ich am Ufer der nächsten Lebensphase angekommen.
🇫🇷
Il y a trente ans, j’ai trouvé la palette à Joigny. En réalité, c’est Joigny qui m’a trouvée. Arrivée en 1996 comme assistante d’allemand, j’ai franchi pour la première fois le Pont Saint-Nicolas, dans la lumière d’un soir de fin d’été, au-dessus de l’Yonne large et souveraine. Et j’ai su immédiatement : je suis à ma place. C’est là que la peinture a pris racine. À l’École des Beaux-Arts d’Auxerre, j’ai approfondi l’aquarelle et découvert la peinture à l’huile. La plupart des travaux de cette époque sont restés en France. La voiture était pleine jusqu’au toit pour le retour : quelques affaires, un chat dans sa caisse. Il a fallu laisser derrière moi les toiles et tout un carton de dessins et d’études.
Et pourtant, rien ne s’est perdu. Joigny, Auxerre, la Bourgogne vivent dans chacune de mes images. Pendant des années, je ne les ai jamais peints directement. Aujourd’hui, cela se montre enfin.
Le Pont Saint-Nicolas devient pour moi une passerelle à travers le temps.
Et je me tiens à nouveau sur la rive d’une nouvelle étape de ma vie.

